EPR - Ein Europäischer Wunderreaktor?
DAS EINGEMOTTETE KONZEPT DES HOCHTEMPERATUR-REAKTORS SOLL AB 2010 WUNDERDINGE LEISTEN
Die Regel der Atombetreiber, um in Zukunft zu bestehen, ist simpel - aber nicht unbedingt einfach: Künftige Reaktoren müssen sicherer sein, Plutoniumverbrennen statt erzeugen, wenig Atommüll erzeugen, hocheffizient und wirtschaftlich sein. Sonst heißt es: 'Rien ne va plus' - keine Chance mehr.
Diese Quadratur des Kreises soll ein schon früh entwickelter Reaktortyp lösen, der aber schließlich als dem heute gängigen Druckwasserreaktor (DWR, engl. PWR) unterlegen aufgegeben wurde: der Hochtemperatur-
Reaktor (HTR). Technische Nachteile, die zu seiner Kaltstellung führten, sollen inzwischen überwunden sein.
Bleiben also seine Vorteile. Falls wahr, erfüllt er alle oben genannten Anforderungen: Seine 'inhärente Sicherheit' (> siehe unten EPR) sei in den 80er Jahren am deutschen AVR-Forschungsreaktor bewiesen worden; er würde den Spalt-Brennstoff 'bis zur Neige' - theoretisch bis zehnfach besser als bisher - verwerten; sein Wirkungsgrad bei der Stromerzeugung liege mit rund 50% ungleich höher als die 25-30% des DWR; nicht zuletzt sei er eine wahre'Plutonium-Verbrennungsmaschine' und erleichtere damit die Umsetzung internationaler Verträge zum Abbau militärischer (wie ziviler) Plutoniumvorräte.
Die nukleare Wunderkerze soll in Gestalt des GT-MHR ab 2010 verfügbar sein. Vier Unternehmen (General Atomics/US,Fuji/J, Framatome/F und russische Firmen) sowie die Regierungen der USA und Rußlands beteiligen sich an seiner Entwicklung.
Die optimale Größe der GT-MHRs soll nicht über einer Leistung von 300 Megawatt liegen. Über die Kosten einer ersten Serie klaffen die Angaben von Amerikanern und Russen bereits um rund 40% auseinander. Der Anfang von Ernüchterungen, wie die Welt sie zuhauf von den lügengestraften Versprechungen bezüglich Siedewasserreaktor, Druckwasserreaktor, Schnellem Brüter, Atommüll-Wiederaufarbeitung usw. kennt?...
Er sollte der Auftakt für Frankreichs neues Atom-Programm werden:
Euro-Reaktor,EPR
Eine Entwicklung der französischen und deutschen Reaktorbauer Framatome und Siemens-KWU im Rahmen ihrer gemeinsamen Tochter Nuclear Power International (NPI). Bis vor kurzem von diesen Firmen -na ned! - als der Reaktor der Zukunft gehandelt:
- 'lnhärent sicher' sollte der'Europäische Druckwasserreaktor' ursprünglich werden, eine unkontrollierte Kettenreaktion also vom technischen Aufbau her darin gar nicht ablaufen können. Auf diesen Anspruch allerdings haben die Konstrukteure dann doch wieder verzichtet. 'Noch sicherer' als der heutige Druckwasserreaktor werde er aber allemal.
- Billiger und wirtschaftlicher soll er werden, um etwa gegen Gaskraftwerke eher konkurrenzieren zu können. Wie 'billiger' mit größerer Sicherheit einhergehen könne, war denn auch gleich eine Grundfrage der EPR-Kritiker. Zumal die bisherige Erfahrung mit Atomanlagen lehrt, daß gerade hier größerer Aufwand für die Sicherheit fast immer einen überproportional größeren finanziellen Aufwand nach sich zieht. Getreu dem Großkonzern-Motto 'Privatisieren bei Gewinn - nach dem Staat rufen, wenn privat wirtschaften Verluste bringt' forderte Electricité de France (EDF) bezeichnenderweise denn auch von der französischen Regierung, sie müsse die Mehrkosten eines EPR-Prototyps übernehmen.
Der PN-Leserschaft ist bekannt, daß die deutsche Atomwirtschaft, speziell Siemens und die Bayernwerke, mit einem ersten EPR-Standort in Süddeutschland, zB in Rosenheim-Marienberg liebäugelten. Dies dürfte der Salzburger bzw. westösterreichische Widerstand aber endgültig vereitelt haben.
