Renaissance der Atomkraft
20.01.2009
ad. KURIER-Ausgabe vom 15.1. - "Strahlende Zukunft"
Sehr geehrte KURIER-Redaktion!
Fein, daß sich auch der KURIER am Herbeireden einer Atomkraft-Renaissance beteiligt – nicht einmal ein Fragezeichen hinter dem Titel „Strahlende Zukunft“ in der Ausgabe vom 15. Jänner! Keine Angst, mir ist bewußt, daß der KURIER dann auch wieder Titelseiten, kleine Artikel, Kommentare mit anderem Tenor bringt, doch insgesamt hinterfragen Sie die Behauptung „Immer mehr Staaten wollen mit Kernkraft ihre Versorgung sichern“ kaum. Wir sind wieder an einem ähnlichen Punkt der Mega-Illusionen angelangt wie Mitte der 1970er, als der KURIER, ja, ja, in einer Ausgabe von Mai 1975 auf Seite 1 titelte: „7 Kernkraftwerke für Österreich“! und in vielen Industriestaaten die gleichen atomaren Luftschlösser gebaut wurden. Diese „Fatamorgana neu“ zu erzeugen, das hat die Atomwirtschaft – rein publizistisch – tatsächlich geschafft. Zahlreiche Medien machen mit, die einen verhaltener, die anderen forscher. Propagandistische Wirkung kommt schon dadurch zustande, daß die Atompläne einer Reihe von Regierungen für bare Münze genommen werden (oder so getan wird, als könne man sie für bare Münze nehmen). Kaum einmal ein Wort von seiten atomkritischer NGOs, Experten oder Politiker zB aus Italien, GB oder Frankreich. Kaum ein Wort über Argumente und Faktoren, die auch in diesen Staaten die Pläne für eine „strahlende Zukunft“ wahrscheinlich stark schrumpfen, wenn nicht gar wie angestochene Luftballons zusammensinken lassen werden. So groß, so prominent wie „Strahlende Zukunft“ samt riesigem „Atomkraft? – Ja bitte“ müßte auf den Titelseiten ja auch prangen: „Finnischer EPR-Reaktor nach 3 Jahren Bauzeit um 3 Jahre verzögert und 50% teurer!“ Denn was wiegt wohl schwerer: Worte, Pläne, oder die erste konkrete Erfahrung mit atomarem Neubau in Europa seit Beginn des AKW-Auferstehungsrummels. Und daß hinter dieser Entwicklung zwangsläufig technische und andere Probleme stehen. Bei diesem neuen „Glanzstück“ der französisch-deutschen Reaktorbauer Areva (ex-Framatome) und Siemens!
Die Staatsspitzen haben sich in aller Regel kaum je einigermaßen mit der Atomtechnik, der Radioaktivität und deren möglichen Folgen, ja sogar kaum mit der (Un-)Wirtschaftlichkeit des nuklearen Brennstoff“zyklus“ befaßt. (Beispiele bringe ich gerne bei.) Ihnen genügen umso leichter die Luftschlösser massiver Energieproduktion, nebst der stets vorhandenen Anziehungskraft atomarer Macht. Setzen Sie die Berlusconis, Sarkozys, Browns usw. ruhig weiterhin mit den gesamten Ländern und Bevölkerungen bzw mit der Wirklichkeit gleich. Und behindern Sie damit genüßlich, daß ganz „Österreich Güssing“ wird, also weitgehend energieautark, und ähnliche vorhandene Modelle in ganz Europa sich massiv ausbreiten und die Energieversorgung grundlegend umstellen. Denn die damit verbundene starke Verringerung der Abhängigkeit von Energie-Großlieferanten wollen wir ja nicht wirklich, oder?
Mit besten Grüßen –
Heinz Stockinger
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Ein gelungenes Thesenpapier zum Thema warum Atomenergie keine Antwort auf die aktuelle "Energiekrise" sein kann, hat der Umweltdachverband zusammengestellt (s. Download-bereich rechts!)
(Quelle: www.umweltdachverband.at/fileadmin/user_upload/pdfs/Erneuerbare_Energien/
fact.sheet_4_09_Atomkraft.pdf)
